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Dieses Thema hat 39 Antworten
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 Literarisches X-tett & Philosophisches
Seiten 1 | 2
Rasoherina Offline




Beiträge: 177

03.11.2007 13:32
Nord-Süd-Gefälle antworten
Diese Frage wuselt mir schon lange im Kopf herum: Warum befinden sich die reichsten Länder der Erde in der nördlichen Hemisphäre, warum die meisten Entwicklungsländer in der südlichen?
Äußere Gründe:
- gemäßigtes Klima erlaubte bessere Entwicklung?
- Bodenschätze lieferten materielles Potential für diese Entwicklung?
Innere Gründe:
- nicht dass mir jetzt jmd. üble Nachrede andichtet, aber wer einmal in afrikanischen Ländern war, der weiß welche Arbeitsmoral dort vorherrscht (muss betonen, dass es nicht ausschließlich so ist!). Meist sieht man `nen ganzen Haufen von Leuten zusammensitzen, aber arbeiten tun höchstens ein oder zwei. Und die arbeiten dann auch in einem sehr gemächlichen Tempo. Dies soll jetzt nicht bedeutet, das sie faul sind. Ich würd’s eher als energetische Anpassung sehen. Bei den hohen Temperaturen muss man einfach aufpassen, nicht zu überhitzen. Könnte dies vielleicht auch ein Grund sein warum sich ein solches ökonomisches Ungleichgewicht auf der Erde entwickelt hat?
Hannes Offline



Beiträge: 963

05.11.2007 11:56
Nord-Süd-Gefälle antworten
Die These sieht für mich, ich sag jetzt mal eurozentristisch, aus. Oder Kapital-zentristisch. Das heißt unter dem Augenmerk des finanziellen Reichtums gesehen.
Wenn man z.B. einen anderen Wert nimmt, wie den der Freizeit, auf dem deiner Aussagen nach in einigen südlichen Gefilden mehr Gewichtung liegt, so könnte man dann ja von einem Süd-Nord Gefälle sprechen.

Man könnte auch sagen, das die nördliche Halbkugel, die letzten paar Jahrhunderte einfach mal einen "guten Lauf" hatte. Da spielen, dann sicherlich die Punkte mit rein die du genannt hast, Klima, Bodenschätze, etc. Auch soetwas wie Astronomie, Seefahrt, Industrialisierung und Kriegsführung. Das heißt die Expansion einer Lebensweise und die, neutral gesagt, Verdrängung von anderen.
Da wir in dem Kulturkreis sozialisiert wurden, in dem diese Entwicklung ihren Ursprung hat, fällt es uns denke ich schwer, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Ich denke man muß versuchen auch nach anderen Werten zu suchen.

Das alles ganz allgemein. Will dir nicht die knallharte Kapitalistin unterstellen.
convulsive_flesh_machine Offline




Beiträge: 2.982

05.11.2007 14:53
Nord-Süd-Gefälle antworten
Warum befinden sich die reichsten Länder der Erde in der nördlichen Hemisphäre, warum die meisten Entwicklungsländer in der südlichen?

interessante frage, warum geht es uns wirtschaftlich so gut, anderen dagegen schlecht. und gibt es dahinter einen geopolitischen hintergrund.

hannes versucht die frage umzukehren, indem er darauf hinweist, dass "wirtschaftlich" nur eine perspektive oder ein wert ist, daneben es aber auch andere werte, z.b. "freizeit" oder vllt. "das angenehm warme klima", gibt. das beantwortet zwar nicht die obere frage, relativiert sie aber zugleich. gute idee.

stichwort "bodenschätze": gibt es in der elfenbeinküste, in saudi-arabien (und anderen südlichen ländern) nicht auch zahlreiche wertvolle bodenschätze? importieren wir nicht auch zahlreiche dieser ressourcen (etwa öl, kakao)? ein möglicher impuls für diese diskussion ist, dass die sog. westliche zivilisation daran interessiert ist, ihren reichtum auf kosten der entwicklungsländer zu mehren. mit einem wort: ausbeutung oder konkurenzbekämpfung.

eine andere frage, die sich der oben gestellten anschließt oder in ihr vllt. sogar enthalten ist, lautet: wie konnte es zu diesem ungleichgewicht kommen? ein paar ungeordnete gedanke dazu: in der antike war der mittelmeerraum eine ort blühender kulturen, mittel- und nordeuropa eher rückschrittlich (man nannte sie barbaren). im mittelalter war die islamische welt weiterentwickelter als die europäische. südamerika hatte die indianischen hochkulturen. warum ist australien ähnlich reich wie england, die philipinen relativ arm?

ich glaube, unser volkswirt könnte hierzu einige wichtige klärende sachen sagen. und thomas hat ja ohnehin immer gute ideen.





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Rasoherina Offline




Beiträge: 177

24.11.2007 15:30
Nord-Süd-Gefälle antworten
genau, Bodenschätze gibts auch woanders und nachdem was ich hier so kennen gelernt habe, sind die Leutchen eigentlich hier ganz fix im Geld machen, selbst beim Strandspaziergang wollen sie dir irgendetwas andrehen.
Aber was mir hier oft auffällt (und bitte auch dass nicht falsch verstehen), die leute benutzen ihren eigenen Kopf nicht. Mein einer Assistent zum Beispiel lauert regelrecht auf meine Anweisungen und tut nix von sichaus. Auch wenn ich nen Fehler mache und er es eigentlich besser weiß, er sagt nix! Ich finde das furchtbar. Auch sonst legen einige eine echt ähm... unterwürfige Haltung an den Tag. Ich mein, wer mich kennt, weiß das an mir nix Angsteinjagendes oder gebieterisches ist...
Vielleicht ist es ein Verhalten, dass sie gelernt haben, weil die anderen "Weißen" so ein Verhalten vielleicht begrüßt haben. Aber mir ist da wirklich schon der Gedanke gekommen, dass diese Einstellung einiger der Madagssen es echt leicht macht (oder besser gesagt in der Vergangenheit) den Kolonisten leicht machte, sie zu versklaven.
thomas Offline




Beiträge: 1.458

24.11.2007 15:37
Nord-Süd-Gefälle antworten
wer mich kennt, weiß das an mir nix Angsteinjagendes oder gebieterisches ist...

naja, du bist eine recht starke frau mit 'ner ordentlichen portion selbstvertrauen, das wirkt auf viele (männer) angsteinflößend...

Rasoherina Offline




Beiträge: 177

24.11.2007 15:41
Nord-Süd-Gefälle antworten
vielleicht hast du recht Hannes und ich hab einfach nur einen falschen Blickwinkel.
Ich frage mich auch oft, was waere gewesen wenn die Afrikanischen Länder den vorsprung gehabt hätten und nun ihre aus ihren eigenen kulturellen Wurzeln hervorgegangene Gesellschaftsform hätten.
Hier ist alles so bizar (ich weiß grad gar nicht wie ich das beschreiben soll, fang jetzt das 3. mal an...). Das Fernsehen (gibts erst nen paar Jahre hier) ist super knall bunt, voll innovativ jung, cool, ach keine Ahnung furchtbar. Ne Chinakopie von MTV oder so. In den voll europäisch abgeklatschten Wohnzimmer stehen Plastikblumen. Fast jeder hat hier mindestens ein Handy... wie sähe es hier aus wenn sie ihren eigenen Weg gegangen wären?
Manchmal frage ich mich ob sie sich überhaupt weiterentwickelt hätten? Teilweise leben sie immer noch wie vor tausend jahren, als Mada besiedelt wurde. Ich finde es echt unheimlich schade dass aus der kulturellen Vielfalt die mal auf diesem Planeten geherrscht hat jetzt (dank unseres "großartigen" zivilisatorischen Einflusses, so ein Einheitsbrei wird.
Rasoherina Offline




Beiträge: 177

24.11.2007 15:44
Nord-Süd-Gefälle antworten
@ Thomas: ach wirlich?
und dazu noch größer oder mindestens genausogroß wie viele Madagassen (und jetzt auch mit nen paar Mukkis :))
Rasoherina Offline




Beiträge: 177

24.11.2007 15:48
Nord-Süd-Gefälle antworten
Australien ist nur ein auswärtiger teil Europas... wenn die Aborigniees (oh gott wie wird das noch geschrieben...) den Kontinent für sich allein gehabt hätten, sähe es da heute ganz anders aus

Rasoherina Offline




Beiträge: 177

24.11.2007 15:53
Nord-Süd-Gefälle antworten
und genau cfm: was sind die Gründe, warum hat aktuell unsere Gesellschaftsform die Oberhand und vor allem warum streben (fast alle stichwort Islamisten) danach diese zu kopieren?
Vielleicht überschätzen wir (oder besser ich in diesem Fall) die Wichtigkeit unserer heutigen Zivilisation. Die Vergangenheit hat gezeigt, bereits viele Hochkulturen untergegangen sind. Was zum Beispiel wenn alle Öl und Gasreserven aufgebracht sind? Ich sehs manchmal schon vor mir: Kriege, Tod und Vernichtung... aus!
Und dann fängt irgendeine andere ethnische Gruppe von vorne an.
convulsive_flesh_machine Offline




Beiträge: 2.982

26.11.2007 14:52
Nord-Süd-Gefälle antworten
Australien ist nur ein auswärtiger teil Europas

stimmt, ähnlich wie neuseeland oder z.t. südafrika.


und vor allem warum streben (fast alle stichwort Islamisten) danach diese zu kopieren

die westliche zivilisation ist verlockend (konsum, freiheit, religion), produktiv (wissenschaft, kunst) und vielleicht der menschlichen natur näher als der kommunistische gegenentwurf.
das problem ist: um eben gesagtes zu erhalten und zu mehren, ist kulturimperialismus von nöten.


Was zum Beispiel wenn alle Öl und Gasreserven aufgebracht sind?

ich glaube, bis dahin wird eine andere energiequelle erfunden sein (von der westlichen zivilst.).





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Rasoherina Offline




Beiträge: 177

26.11.2007 15:24
Nord-Süd-Gefälle antworten
du denkst also unsere Gesellschftsform dominiert noch ne weile.

Wegen den alternativen Energiequellen: Die waeren ja jetzt auch schon vorhanden, wenn sich nicht irgendwelche Lobbyisten querstellen würden, gäbe es schon lange Electroautos für jeder mann oder ähnliches
convulsive_flesh_machine Offline




Beiträge: 2.982

26.11.2007 17:02
Nord-Süd-Gefälle antworten
du denkst also unsere Gesellschftsform dominiert noch ne weile.

darauf zielt zumindest "unsere" wirtschaftspolitik ab, stichwort "g8-gipfel". so mein eindruck.




Wegen den alternativen Energiequellen: Die waeren ja jetzt auch schon vorhanden, wenn sich nicht irgendwelche Lobbyisten querstellen würden

traurig aber wahr. die kuh muss sukzessive abgemolken werden.





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TaaneMoana Offline




Beiträge: 1.267

04.02.2008 19:43
Nord-Süd-Gefälle antworten
einfach mal ein paar gedanken zu dem thema und euren ideen.

vielleicht ist alles nur zufall?

und der zeitpunkt der betrachtung wichtig. das, was cfm gesagt hat, fiel mir auch als erstes ein. dass es ja in der vergangenheit schon etwas anders war, zb mesopotamien, inkareich etc.
das beste beispiel für veränderungen ist die rasante entwicklung in teilen asiens, vor allem natürlich in ländern wie china und indien.


definition nord und süd?
wenn man mal streng geographisch vorgeht und nachnördlicher und südlicher hemisphäre trennt, wird es schon schwierig, weil der weitaus größere teil der erdmasse auf der nordhalbkugel liegt, viele entwicklungsländer eingeschlossen.

ich denke, eine wichtige rolle für den aktuelle situation hat die kolonialgeschichte gespielt, denn dadurch wurden viele länder weit zurückgeworfen. es war einfach zu einer bestimmmten zeit so, dass einige europäische länder bereits über einen gewissen vorsprung verfügten und diesen dank der kolonialisierung ausgebaut haben. das ist ja nun heute zum glück vergangenheit.

zu den werten: ich denke ein guter wert (auch wenn es wirtschaftlicher ist) ist das bip/kopf. denn was soll ich mit freizeit anfangen, wenn ich nix zu essen habe???

zu den gesellschaftsformen: ich denke, dass unsere gesellschaftsform (demokratie und marktwirtschaft) trotz ihrer nachteile immer noch die form ist, die die wenigsten nachteile aufweist und aufgrund der freiheit, die sie garantiert, irgendwann von allen menschen angestrebt wird. kann man das vielleicht philosopohisch begründen?

convulsive_flesh_machine Offline




Beiträge: 2.982

05.02.2008 17:18
Nord-Süd-Gefälle antworten
ich denke, dass unsere gesellschaftsform (demokratie und marktwirtschaft) trotz ihrer nachteile immer noch die form ist, die die wenigsten nachteile aufweist und aufgrund der freiheit, die sie garantiert, irgendwann von allen menschen angestrebt wird. kann man das vielleicht philosopohisch begründen?


das ist eine interessante, obgleich schwierige Frage, auf die wahrscheinlich keine letztbegründung gegeben werden kann.

zum einen muss man fragen, was unter demokratie verstanden wird? was heute landläufig als demokratie bezeichnet wird, kann man vielleicht besser als eine mischform verschiedener prinzipien bezeichnen. warum ist das so? was ursprünglich, etwa bei Platon, der kein demokratiefreund war, unter demokratie verstanden wurde wird nun mit wirtschaftlichen und politischen prinzipien (rechtstaatlichkeit, sozialismus, liberalismus) vermengt bzw. angereichert. ziel dieser anreicherung ist es, die tendenz zur willkür, die dem ursprünglichen demokratieverständnis zugrunde liegt, zu beschränken. was meine ich mit willkür? nun, das ist die schrankenlose FREIHEIT.
freiheit und gleichheit scheinen zwei notwendige eigenschaften einer demokratie zu sein.

man könnte nun fragen, warum der mensch (oder alles leben?) nach freiheit strebt? das referiert wiederum auf implizite anthropologische voraussetzungen. man könnte nun behaupten, der mensch strebt von natur aus nach freiheit (willens-, handlungsfreiheit oder selbstenfaltung). um das zu verdeutlichen, will ich zwei philosophen heranziehen, Locke und Hobbes. beide haben sich mit dem naturzustand des menschen befasst und politische konsequenzen daraus gezogen.

Hobbes: er sieht den naturzustand (d.i. das gegenteil von einer staatsform, welche auch immer) ähnlich kritisch wie Platon die demokratie beurteilt. der mensch ist in diesem zustand geprägt durch zügelloses freiheitsstreben, willkür und vor allem egoismus. jeder hat ein recht auf alles, was einen permanenten kriegszustand gleichkommt.

Locke: er bewertet diesen naturzustand weniger pessimistisch. der mensch verfügt zwar in diesem zustand über absolute freiheit, schränkt sich aber selbst aufgrund seines vernunftsvermögens ein und fügt niemandem schaden zu. er behandelt andere so wie auch er behandelt werden will.

Hobbes vergleicht den menschen mit tieren, Locke betont die vernunft. jener würde eine authoritäre oder totalitäre staatsform bevorzugen, dieser ein liberale.

man könnte auch eine antwort von der ethik kommend suchen. also vor dem hintergrund der glücksfrage. dem utilitarismus (als beispiel) entpsrechend ist demokratie vielleicht die staatsform, die das glück der größtmöglichen zahl besser als andere staatsformen fördert. es sind also mehr menschen in einer demokratie glücklich (ob "gute" oder "schlechte" begierden in einer demokratie befriedigt werden, sei dahingestellt).







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TaaneMoana Offline




Beiträge: 1.267

13.02.2008 14:14
Nord-Süd-Gefälle antworten
aus welchen formen mischt sich denn deiner meinung nach der heutige demokratiebgeriff?
und warum war dem urprünglichen demokratiebegriff die willkür inhärent?
convulsive_flesh_machine Offline




Beiträge: 2.982

13.02.2008 14:42
Nord-Süd-Gefälle antworten
warum war dem urprünglichen demokratiebegriff die willkür inhärent?

mit willkür meine ich zügellose freiheit. z.b. dürfte der staat nicht in die erziehung oder bildung (etwa schulwesen) eingreifen, noch seinen bürgern irgendetwas vorschreiben (außer vielleicht niemanden zu verletzen). denn das würde die freiheit einschränken. der mensch in dieser theorie der ursprünglichen demokratieform wäre unersättlich. er will alles, will sich aber dann doch nicht festlegen (denn das wiederum könnte seine freiheit einschränken). insofern ist er auch innerlich zerrissen und unstetig.


aus welchen formen mischt sich denn deiner meinung nach der heutige demokratiebgeriff?

das im einzelnen aufzudröseln, vermag ich nicht. aber man kann vielleicht so viel sagen, dass die geschichte (etwa die aufklärung, revolutionsjahre oder wirtschaftliche theorien des 19.jh.) ihre spuren hinterlassen hat.





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convulsive_flesh_machine Offline




Beiträge: 2.982

13.02.2008 17:01
Nord-Süd-Gefälle antworten
zur ursprünglichen demokratietheorie:

"Wenn man das Wort [Demokratie] in der ganzen Strenge seiner Bedeutung nimmt, so hat es noch nie eine wahre Demokratie gegeben und wird es auch nie geben. Es verstößt gegen die natürliche Ordnung, daß die größere Zahl regiere und die kleinere regiert werde. Es ist nicht denkbar, daß das Volk unaufhörlich versammelt bleibe, um sich den Regierungsgeschäften zu widmen, und es ist leicht ersichtlich, daß es hierzu keine Ausschlüsse einsetzen kann, ohne die Form der Verwaltung zu ändern.
[Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag, S. 113.]


zur vermischung der demokratie mit anderen theorien (arbeitsrecht?):

"Sobald für die politischen Funktionen ein Sold eingeführt wird, so bewirke dies in der Demokratie ein Übergewicht der Armen über die Reichen. Denn jene seien durch Privatgeschäfte weniger in Anspruch genommen als diese und haben deshalb mehr Zeit, ihre öffentlichen Rechte auszuüben, was sie denn auch um des Soldes willen tun."
[Simmel: Philosophie des Geldes, S. 470.]




ergänzung: als weitere notwendige eigenschaft einer demokratie ist die mehrheitsentscheidung zu nennen.





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TaaneMoana Offline




Beiträge: 1.267

16.02.2008 10:13
Nord-Süd-Gefälle antworten
Zitat -
Rasoherina schrieb am 03.11.2007 13:32:


warum war dem urprünglichen demokratiebegriff die willkür inhärent?

mit willkür meine ich zügellose freiheit. z.b. dürfte der staat nicht in die erziehung oder bildung (etwa schulwesen) eingreifen, noch seinen bürgern irgendetwas vorschreiben (außer vielleicht niemanden zu verletzen). denn das würde die freiheit einschränken. der mensch in dieser theorie der ursprünglichen demokratieform wäre unersättlich. er will alles, will sich aber dann doch nicht festlegen (denn das wiederum könnte seine freiheit einschränken). insofern ist er auch innerlich zerrissen und unstetig.


aus welchen formen mischt sich denn deiner meinung nach der heutige demokratiebgeriff?

das im einzelnen aufzudröseln, vermag ich nicht. aber man kann vielleicht so viel sagen, dass die geschichte (etwa die aufklärung, revolutionsjahre oder wirtschaftliche theorien des 19.jh.) ihre spuren hinterlassen hat.











also die willkür des einzelnen und nicht die des staates?
convulsive_flesh_machine Offline




Beiträge: 2.982

16.02.2008 13:32
Nord-Süd-Gefälle antworten
ja, genau. die freiheit des einzelnen ist es hier, auf die es in der demokratie ankommt.





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TaaneMoana Offline




Beiträge: 1.267

17.02.2008 14:28
Nord-Süd-Gefälle antworten
warum werden die begriffe willkür und freiheit gleichgesetzt? oder habe ich da jetzt was falsch verstanden?
convulsive_flesh_machine Offline




Beiträge: 2.982

17.02.2008 16:06
Nord-Süd-Gefälle antworten
warum werden die begriffe willkür und freiheit gleichgesetzt? oder habe ich da jetzt was falsch verstanden?

du hast recht, darüber lässt sich streiten. beide begriffe haben eine gewissen schnittmenge, sind aber nicht synonym zu verwenden. ich habe mich oben zu großen teilen an Platon orientiert. deshalb wahrscheinlich die negative konotation, die mit "willkür" verbunden wird. man kann sicherlich den begriff der willkür in einer wahren demokratie stark machen aber besser ist wahrscheinlich der der "unersättlichkeit". wobei beide begriffe die vernunft der menschen vernachlässigen. aber auch darüber ließe sich streiten.





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Rasoherina Offline




Beiträge: 177

20.02.2008 14:19
Nord-Süd-Gefälle antworten
Taane Schrieb:
definition nord und süd? wenn man mal streng geographisch vorgeht und nachnördlicher und südlicher hemisphäre trennt, wird es schon schwierig, weil der weitaus größere teil der erdmasse auf der nordhalbkugel liegt, viele entwicklungsländer eingeschlossen

Ich meinte eher die Himmelsrichtung. Die meisten Industrieländer liegen nördlich der Entwicklungsländer.


Taane schrieb:
ich denke, eine wichtige rolle für den aktuelle situation hat die kolonialgeschichte gespielt, denn dadurch wurden viele länder weit zurückgeworfen. es war einfach zu einer bestimmmten zeit so, dass einige europäische länder bereits über einen gewissen vorsprung verfügten und diesen dank der kolonialisierung ausgebaut haben. das ist ja nun heute zum glück vergangenheit

Dass die Kolonialzeit und die Ausbeutung der unterworfenen Länder hauptsächlich die heutigen Schwierigkeiten in diesen verursacht haben, denke ich auch. Ich frage mich: Warum hatten die europäischen Länder diesen Vorsprung? War es wirklich Zufall? Was wenn die Lage dieser Länder doch eine Bedeutung hatte?

Die alten Hochkulturen basierten doch letztendlich auf einem hoch entwickelten Ackerbau. Sie waren auch vor allem in warmen Klimaten mit einer ausreichenden Wasserversorgung angesiedelt (Mesopotamien, Ägypten, die südamerikanischen Indianerkulturen). Man kann damit sagen, sie waren von den klimatischen Gegebenheiten abhängig.
Die Grundlage der heutigen Hochkulturen sind Industrien. Die technische Weiterentwicklung veränderte auch die Gesellschaftsform und die Grundlagen sind weitgehend unabhängig von klimatischen Bedingungen. Was hat das nun mit der geographischen Lage zu tun? Nun vielleicht begünstigten die schwierigeren Bedingungen für ein Leben das auf Ackerbau basiert in den nördlichen Ländern, das Streben nach technischen Weiterentwicklungen, während in den südlichen alles gut lief wie es eben lief und der Antrieb zur Veränderung nicht so stark war.

Ein anderer Gedanke der in die frühste menschliche Evolution zurückreicht:
Die Wiege der Menschheit ist bekanntermaßen Afrika. Es gab von hier aus mehrere Wanderungswellen in denen sich Homo sapiens über die ganze restliche Welt ausbreitete. Diese Wanderungen waren eine gewaltige Leistung, erforderten große Anpassungsfähigkeit und geistige Beweglichkeit. Schließlich waren die Bedingungen die Homo sapiens in den neuen Gebieten antraf ganz andere als die, unter denen er sich entwickelt hatte.
Diejenigen die Afrika verließen wurden hinsichtlich dieser Eigenschaften selektiert. Auf den Teil der Population von Homo sapiens der in Afrika verblieb lastete ein ganz anderer Selektionsdruck, aber im Wesentlichen machten sie weiter wie bisher.
Was also wenn diese Selektion der nach Norden gezogenen Menschen hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung einen Vorteil erbrachte, der dann in eben dem von Taane erwähnten Vorsprung resultierte? (Ich bitte darum, in diesen Aussagen keine rassendiskriminierenden Ansichten zu sehen, ich bin eben Biologe und betrachte das Ganze aus einer eher zoologisch, evolutionistischen Perspektive.)
convulsive_flesh_machine Offline




Beiträge: 2.982

20.02.2008 15:57
Nord-Süd-Gefälle antworten
Ich bitte darum, in diesen Aussagen keine rassendiskriminierenden Ansichten zu sehen

lustig, beim lesen deines letzten abschnitts kam mir genau dieser gedanke. aber da ich dich kenne, weiß ich, dass so ein gedankengut nicht deiner natur entspricht.

in diesem letzten abschnitt scheinst du naturalistisch zu argumentieren. also in etwa, dass der mensch geprägt ist durch sein naturgeschichtliches erbe und dieses erbe den europäern (u.a.) gewisse vorteile brachte. welche vorteile schweben dir so vor? wenn du weiter oben von "technischer weiterentwicklung" sprichst, wäre das eine konsequenz aus diesen vorteilen, die wir möglicherweise erworben haben? und wenn deine these stimmt, würde das nicht bedeuten, dass wir auch für die zukunft die bevorteilte rasse wären, die es eher noch zu fördern gilt als die südländer?

was ist mit den afrikanern, die an westlichen eliteuniversitäten studierten, z.b. Kofi Annan (* ghana), den ich als hochintelligent bewerte? ist das nicht ein zeichen dafür, dass es die soziokulturelle umwelt ist, die uns prägt?








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Rasoherina Offline




Beiträge: 177

20.02.2008 16:32
Nord-Süd-Gefälle antworten
Klar können sie. Hab ja nicht unterstellen wollen, dass die Südländer weniger intelegent wären. Wirklich nicht!
Und natürlich in heutigen multikulturellen Zeiten ist keine Rasse von sich aus mehr im Vorteil.


in diesem letzten abschnitt scheinst du naturalistisch zu argumentieren. also in etwa, dass der mensch geprägt ist durch sein naturgeschichtliches erbe und dieses erbe den europäern (u.a.) gewisse vorteile brachte. welche vorteile schweben dir so vor? wenn du weiter oben von "technischer weiterentwicklung" sprichst, wäre das eine konsequenz aus diesen vorteilen, die wir möglicherweise erworben haben? und wenn deine these stimmt, würde das nicht bedeuten, dass wir auch für die zukunft die bevorteilte rasse wären, die es eher noch zu fördern gilt als die südländer?

Konkrete Vorteile habe ich gar nicht im Kopf. Hm, das ist verflixt kompliziert zu erklären ohne falsch verstanden zu werden. Darüber muss ich noch mal in Ruhe nachgrübeln.

Ich glaube nicht, dass dieser Vorteil jetzt noch besteht. Das Entwicklungsländer heute Entwicklungsländer sind, liegt nicht an der Unföhigkeit der Bewohner sondern sind (jedenfalls für Afrika) Folgen der Kolonisierung durch die europäischen Länder.

Ach mist das Internetcafè schließt, hab keine Zeit mehr. Wie gesagt ich denk nochmal drüber nach...
Rasoherina Offline




Beiträge: 177

02.03.2008 14:16
Nord-Süd-Gefälle antworten
So, ich habe noch mal drüber nachgedacht:
Also, meine Wortwahl im oberen posting war sehr ...ungücklich und kann schnell misverstanden werden. Natürlich sind die Menschen in Afrika nicht weniger intelegent als bspw Europäer.
Ich habe nur darüber nachgedacht, ob dieses nord-süd gefälle wirklich zufällig ist.
Aus meinen Erfahrungen und Beobachtungen hier auf Mada und durch Gespräche mit anderen die ähnliches in Afrika gesehen haben, kam mir nur der Gedanke, dass die Nachkommen der Gruppen von Homo sapiens die nach Norden ausgewandert sind, Strategien oder Verhaltensweisen entwickelt haben, die ihnen die schnellere technische und gesellschftliche Weiterentwicklung ermöglicht haben. Es gibt einfach grundlegende charakterliche Unterschiede z.B. zw Afrikanern und Europäern: wie sind eher Einzelkämpfer, Individualität ist super wichtig, hier sind alle sehr viel gemeinschaftsorientierter, viel extrovertierter als wir. Auch finde ich, dass wir viel faktenorientierter sind, viel direkter. In vielen afrikanischen Völkern wird alles eher indirekt und auf Umwegen ausgedrückt. Das hat sicher kulturelle Hintergründe, aber letzendlich ist doch die Kultur ursprünglich einPaket von Verhaltensregeln, die ein Überleben unter bestimmten Umst¨nden gew¨hrleisten sollten. Und diese Bedingungen und Umstände unterschieden sich in den neubesiedelten Bereichen stark von denen die In Afrika vorlagen. Sie zwangen Homo sapiens neue Strategien zu entwickeln und diese neuen Verhaltensweisen verursachten vllt; die schnellere technische Entwicklung.
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